Unser Informationsservice zum Thema
IDIOPATHISCHER KOPFSCHMERZ
Zunächst die gute Nachricht für alle Schmerzpatienten
Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden, er muß also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren sondern kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik
Ein idiopathischer Kopfschmerz ist
im Gegensatz zum seku
ndären Kopfschmerz
eine eigenständige Erkrankung und nicht etwa nur das Symptom
(= Krankheitszeichen)
einer anderen Grunderkrankung. Ein idiopathischer Kopfschmerz kann
also als Symptom nicht auf eine faßbare organische oder psychische Ursache
zurückgeführt werden, er kann deshalb auch nicht kausal
(= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet)
behandelt werden kann (Soyka 1989).
So können zum Beispiel folgende internistische Krankheiten mit einem
Kopfschmerz einhergehen (Auswahl):
· Schilddrüsendysfunktion
· Nebenniereninsuffizienz
· Hypoglykämie
· Hyperparathyreoidismus
· Hypophysenadenom
· Anämien
Dabei liegt dann aber kein idiopathischer sondern ein sog. seku ndärer oder sym ptomatischer Kopfschmerz vor.
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Systematik (= Einteilung) idiopathischer Kopfschmerz-Formen: |
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1. Migräne |
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- ohne Aura |
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- mit Aura |
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- andere Kopfschmerz -Formen |
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4. Andere primä re Kop fschmerzen |
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- Neu aufgetretener Dauerkopfschmerz (engl.: new daily persistent headache) |
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Schmerztherapeutisch weniger relevante Formen: |
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- Pri märer stechender Ko pfschmerz |
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- Hustenko pfschmerz |
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- Ko pfschmerz bei körperlicher Anstrengung |
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- Ko pfschmerz bei sexueller Aktivität |
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- schlafgebundener Ko pfschmerz |
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- pri märer Donnerschlagko pfschmerz |
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5. Idiopathischer Kombinationskopfschmerz |
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- Migräne und Spannungskopfschmerz |
Zu den einzelnen Kopfschmerzerkrankungen
1.1
Migräne:
Was die Presse
über unsere
Migränebehandlung
berichtet:
www.1-migraene.de/artikel1
Bei der M
igräne tritt in typischer Weise ein
anfallsartiger, bevorzugt halbseitiger, idiopathischer Kopfschmerz
auf (Hemicrania),
begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit.
Darüber hinaus kann es zu Seh- und
Nervenstörungen
kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und
hämmernd angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache) und Pathogenese
(= Krankheitsentwicklung) sind
letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt
es hauptsächlich zwei Gruppen: M igräne mit und
ohne Aura. Die frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte M
igräne wurde aufgegeben.
Die einzelnen M igräne-Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994):
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- M igräne ohne Aura |
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- M igräne mit Aura |
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- M igräne mit typischer Aura |
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- M igräne mit prolongierter Aura |
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- Familiäre hemiplegische Aura |
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- Migräneaura ohne Kopfschmerz |
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- M igräne mit akutem Aurabeginn |
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- Ophthalmoplegische M igräne |
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- Retinale M igräne |
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- Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
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Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer M igräne |
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- Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
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- Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
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- M igräne -Komplikationen: |
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Status migraenosus |
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Migränöser Infarkt |
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- M igräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der M igräne-Kopfschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Behand
lung beim
Migränekopfschmerz:
Zunächst muß der Patient eingehend über die
Migräneerkrankung
aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf
anamnestisch (= aus
der Vorgeschichte) eruierte
auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders
eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so
z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst
Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von
Streß
situationen.
Behand
lung des akuten
Migräneanfall
s:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel) möglichst
frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten, bis das
Vollbild des Mig
ränekopfschmerz
es eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den
ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel der ersten Wahl gilt noch immer die
Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B. Aspirinâ
) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit
Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ
), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen). Nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen den Mig
räne-
Kopfschmerz ebenso wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer
Nebenwirkungsrate. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob
Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon
andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bewährt hat sich bei einem stärkeren Mig
ränekopfschmerz auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch
ein Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalginâ
) ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum bei
Migränekopfschmerzen
ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan (z.B. Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen
oder 6mg unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kopfschmerz
en maximal zwei Verabreichungen in 24
Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den
Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere
Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Migräne mittel nicht den gewünschten
Erfolg bringen.
Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane, z.T. auch als (Nase
n-) Spray zum schnelleren Wirkungseintritt: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,)
Naratriptan (Naramig®, als Formigran® rezeptfrei),
Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®)
und Eletriptan (Relpax®). Zur Behand lung der
hemiplegischen, ophthalmoplegischen oder
Basilaris-Migräne
sind Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate
sind klassische Pharmaka zur Kupierung eines Mig
räneanfall
s, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch
nicht ganz unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung eines
zusätzlichen
Dauerkopfschmerz
es steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde
sollten pro Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim
Migränekopfschmerz
die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf
dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m.
(= in den
Muskel)
oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader)
versucht werden (1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen M
igränebegleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel) sehr bewährt,
auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die Patienten in dieser
Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Wird der Mig
räne- Kopfschmerz
von Nausea (= Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten
dieser Symptome), ist die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®)
sehr wirksam, zum Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg.
Metoclopramid sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist
vorteilhaft, diese Substanz vor einem
Analgetikum
(= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die
Darm
tätigkeit steigert und somit die Resorption
(= Aufnahme im Da
r
m) weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (z.B. Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei M igräne die Verabreichung einer
Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg
Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®) sehr bewährt, bei heftigen
Schmerzen
zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behan
dlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika) ist im bereits
voll entwickelten akuten
Kopfschmerzanfall
wenig hilfreich. Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik
in vielen Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika
(=
Schmerzmittel) gar nicht oder in
weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit
Bupivacain 0,5% die
Nerven
supraorbitales (= Ner
ven
an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (=
Ner
ven
am
Hinterkopf) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren den
Schläfenbereich
beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl der Mig
räne- Kopfschmerz meist nur einseitig auftritt, hat es sich
bewährt, diese Behand
lung nicht nur auf die aktuell betroffene
Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn ein heftiger Mig
ränekopfschmerz gehäuft (mehrmals pro
Woche) auftritt, sind im Rahmen einer stationären Behand
lung schmerzseitige
Blockaden (=
Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet der Kopfschmerz in einen Status mig
raenosus (= länger als 72h anhaltender
Migräneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige)
zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen im Migränean fall bestehen in
Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische
(= vorbeugende) Behand
lung beim Mig
ränekopfschmerz:
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so
daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung)
sollte nur dann erfolgen, wenn die
Migräneattacken
mindestens zwei mal pro Monat auftreten. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens
zweimal ein Status mig
raenosus,
eine prolongierte (= verlängerte) Aura oder einmalig ein mig ränöser Infa
rkt
(= Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von
Sauerstoffmangel) aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen M igräne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die M
igräne. Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener
1989); beide Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche
Höchstdosierung für Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol (z.B.
Dociton®) 240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf
betreffende) Störungen oder einer
Bradykardie (= zu
langsamer Puls) muß die Behand lung abgebrochen
werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher regelmäßige Puls-
und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise der Beta-Blocker
in Bezug auf den Mig
räne- Kopfschmerz ist noch nicht sicher
bekannt.
Zur Intervalltherapie bei einem Mig ränekopfschmerz
eignen sich auch Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung von Kalzium
entgegenwirkt). Flunarizin
(Sibelium®) sollte aufgrund einer Bewertung durch das Bundesgesundheitsamt nur
bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und schweren
Schmerzanfälle
n leiden und bei denen eine Behand lung mit
Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat (Natil®) zur Prop
hylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) bei Mig
ränekopfschmerz besteht in der
Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen (Sandomigran®) hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der M
igräne. Lisurid (Cuvalit®), ein Ergota
min -Derivat, ist ein Serotonin
-Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen
Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns kaum verwendet, da
bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur Prop
hylaxe der Kopfschmerz
en bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten)
M igräne soll Sulpirid (Dogmatil®)
hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und Soyka (1994)
empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg Naproxen, vier Tage vor der
erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vor
beugung des Mig
ränekopfschmerz
es umstritten. So wird es z.B. in
anglo-amerikanischen Ländern dafür nicht verwendet.
Zur Migräneprophylaxe soll auch das Antiepileptikum
(= Mittel gegen die Fallsucht)
Gabapentin (z.B. Neurontin®) eingesetzt werden können. In Deutschland ist auch
das Antiepileptikum
(= eigentlich ein Mittel gegen die Fallsucht)
Topiramat (Topamax®) für diesen Zweck
zugelassen. Dieses Medikament sollte aber nur bei Erwachsenen angewendet werden
und nur dann, wenn eine Therapie mit Betablockern nicht indiziert
(= angezeigt)
ist, zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde.
Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Mig
räne mit
Aura die auch regelmäßige Zufuhr von Folsäure geeignet sein.
Wenn die An
fälle gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche)
auftreten und andere vorbeugende Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht greifen,
ist nach unserer Erfahrung bei Migränekopfschmerzen auch die
therapeutische Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel) lohnend,
besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x täglich
konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei betäuben wir,
wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden Ner
ven an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Behand
lung durch tiefe Infiltration der oft verspannten, an die
Halswirbelsäule
angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser Behand lung ist beim Mig
ränekopfschmerz nicht geklärt, vermutlich
kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das
langwirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur
Migränetherapie:
Meist werden die folgenden Methoden
ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Behan
dlung)
ist die Wirkung in der
Migränetherapie in
der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen Indikationen für die
Akupunktur (Schmerzakupunktur)
ist der Kopfschmerz. Zur Behand
lung des Mig
ränekopfschmerz
es dominieren Nadelpunkte auf dem
Gallenblasen-Meridian, so z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das
Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Es
sei darauf hingewiesen, daß auch für die Behand
lung des Mig
ränekopfschmerz
es mit Akupunktur (noch) keine
wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) kann beim Mig
räne-
Kopfschmerz, wenn sie bei den ersten Anzeichen
einer At
tacke durchgeführt wird, durchaus eine Linderung
der Beschwerden herbeiführen, manchmal sogar den Ausbruch einer At
tacke verhindern.
Bei vielen Mig
ränepatienten fällt auf, daß auch im
schmerzfreien Intervall die an die Halswir
belsäule angrenzende Mus
kulatur, teilweise auch die
Schultermuskulatur verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von
physikalischen Therapiemaßnahmen (Fango, Massagen, Kältebehandlung) und
Krankengymnastik als ergänzende Behand
lung bewährt. Manchmal kann bei Mig
ränekopfschmerz auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im
Kopf
-/Halsbereich eine deutliche Linderung erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei Mig
räne auch die Hydrotherapie in
Form von Wechselbädern der
Extremitäten
(=
Arme,
Beine)
und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende
positive Effekt auf einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines
ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei Mig
räne auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Auch
psychologische Interventionen können einen Mig
ränekopfschmerz lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streß- und
Schmerzbewältigungstraining.
2.
Spannungskopfschmerz
(oft auch als
Kopfschmerz vom Spannungstyp bezeichnet):
Diese
Kopfschmerzerkrankung
ist von allen genannten Begriffen am wenigsten klar definiert. Der Begriff wird
deshalb oftmals als Verlegenheitsdiagnose verwendet.
Die Symptomatologie
(= die verschiedenen Krankheitszeichen) wird in der Literatur nicht einheitlich angegeben. Nach Meyer
(1989) ist die Lokalisation wechselnd, oft fronto/okzipital
(= im
Stirn
/
Hinterhaupt
bereich auftretend),
Soyka (1989) dagegen gibt als Schwerpunkt die
Nacken
- und
Hinterkopf
region an. Meist wird der
Schmerzcharakter mit dumpf, bohrend und spannend bezeichnet. In der Regel liegen
die Beschwerden beiderseits vor. Nach unseren Erfahrungen geben die betroffenen
Patienten häufig an, der Kopfschmerz steige von der Hinterkop
fregion
auf und breite sich dann diffus bis zu beiden Augenhöhlen aus.
In der Regel beginnt der Kopfschmerz vom Spannun
gstyp schleichend morgens und steigern
sich dann im Verlauf des Tages, meist den ganzen Tag anhaltend. Teilweise werden
aber auch im Tagesverlauf unterschiedlich lange anfallsartige
Schmerzverstärkungen angegeben, manchmal mit (milden) vegetativen Symptomen
(z.B. Übelkeit) einhergehend, so daß auch das Vorliegen eines
Migränekopfschmerz
es in Frage kommt.
Bei der Untersuchung ist die Hinterkop
fregion
beiderseits oft druckschmerzhaft. Teilweise ist die Kalotte
(= der knöcherne Schädel)
klopfschmerzhaft. Sehr häufig finden sich im Halswir
belsäulenbereich Muskelverspannungen, diese können auch bis zur
Schultermuskulatur reichen.
Fast alle Patienten mit einem Kopfschmerz vom Spannun
gstyp geben an, daß Aufmerksamkeit und
Konzentrationsfähigkeit nachgelassen hätten. Eine Unterteilung in "episodischen
(= von Zeit zu Zeit auftretenden)
Kopfschmerz vom Spannun
gstyp" und "chronischen Kopfschmerz vom
Spannun
gstyp" erscheint nicht sinnvoll, weil damit
lediglich Verlaufsvarianten beschrieben werden, die sich selbst bei gleichen
Patienten häufig abwechseln können.
Eine Verspannung der perikranialen (= den Schädel umgebenden)
Muskulatur,
wie es dieser Kopfschmerzbegriff vermuten läßt, ist nicht zwingend. Psychische
Überlagerung, vor allem in Form von depressiver Verstimmung und/oder
psychovegetativer Labilität ist häufig. In der Regel dominiert die
pflichtbewußte und leistungsorientierte Persönlichkeit.
Zur Differentialdiagnostik
(= zum Herausfinden um welchen
Kopfschmerz es sich handelt) eignen
sich
Nervenblockaden
(= Nervenbetäubungen). Während einer
regelrechten Blockade der
Nerven
supraorbitales, occipitales majores und minores sowie auriculotemporales
(infiltrativ im
Schläfe
nbereich) bleibt i.d.R. ein Kopfschmerz vom Spannun
gstyp weg, nicht aber ein
vasomotorischer Kopfschmerz
(= von Blutgefäßen ausgehender) oder
posttraumatischer Kopfschmerz
(= nach Verle
tzungen auftretender),
sofern diese auf meningeale
(= hirnhautbedingte) Störungen
zurückzuführen sind.
3. Trigeminoautonomer Kopfschmerz
3.a Beim seltenen, clusterähnlichen SUNCT-Syndrom kommt es zu 15 bis 120 Sekunden lang anhaltenden, einseitigen Schmerzattacken um das Auge herum, begleitet von konjunktivaler Injektion (= Sichtbarwerden feiner Blutgefäße im Auge als Folge von Blutfülle), Lakrimation (= Tränenfluß) und Nasenträufeln. Begleitet werden die Kopfschmerzattacken von einem gleichseitigen Gesichtschwitzen, das aber meist nur gering ausgeprägt ist.
3.b Paroxysmale Hemikranie (CPH):
Die CPH ist ebenfalls ein idiopathischer Kopfschmerz. Charakteristische Merkmale sind streng einseitig auftretende Kopfschmerzanfälle hauptsächlich im orbitalen (= die Augenhöhle betreffend), supraorbitalen (= die Stirn betreffend) und/oder temporalen (= die Schläfe betreffend) Bereich und einer Dauer von 2 bis 45 Minuten. Die Schmerzanfälle treten mindestens 5 mal pro Tag auf. Als Mittel der Wahl gilt auch hier Indometacin (z.B. Indometacin-Ratio®), alternativ soll das Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin hilfreich sein.
Die IHS (Internationale Kopfschmerzgesellschaft) - Kriterien verlangen, daß die Diagnose einer chronisch paroxysmale n Hemikranie (CPH) nur dann Bestand hat, wenn während der Attacken mindestens eines der folgenden autonomen Symptome (= unabhängige, selbständige, nach eigenen Gesetzmäßigkeiten ablaufende Krankheitszeichen) auf der betroffenen Seite auftritt:
3.c
Cluster-Kopfschmerz:
Synonyme (=
weitere Bezeichnungen) für diese
eigenständige, vom Mig
ränekopfschmerz und der
Trigeminusneuralgie abzugrenzende Kopfschmerz
-Art sind:
Erythroprosopalgie,
Bing-Horton-Kopfschmerz, zil
iare
Neuralgie und N.
petrosus Neuralgie.
Die Ursache dieses Kopfschmerz
es
(idiopathischer) ist unbekannt.
Hauptsymptom (=
vorherrschendes Krankheitszeichen)
beim
Cluster-Kopfschmerz
ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital
(= um das Auge herum)
oder frontotemporal
(= Stir
n-/Schläfenbereich betreffend)
in At
tacken und vorwiegend nachts auftretende
Kopfschmerz (idiopathischer) von unerträglicher Intensität
und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen Stunden. Überwiegend wird der
Schmerz
charakter mit bohrend oder brennend angegeben. Typischerweise, jedoch
nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und Rötung des schmerzseitigen Auges,
evtl. begleitet von Engstellung der Pupille und Verengung der Lidspalte
(partielles Horner-Synd
rom) sowie Nasenträufeln als
Begleiterscheinungen.
Manchmal treten mit dem
Clusterschmerz auch
Übelkeit und Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit dem Mig
ränekopfschmerz führen kann.
Im Gegensatz zu Migränepatienten sind Patienten mit einem
Clusterschmerz eher
unruhig und laufen während der At
tacke umher; ihr Ruhebedürfnis ist
weniger ausgeprägt als bei Migränikern.
Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme Schmerzintensität können zur
Verwechslung mit der
Trigeminus-Neuralgie
Anlaß geben. Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B.
Flimmer- und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, Histamin und
Nitroglyzerin, öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in
Form von Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest,
um die Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Behand
lung bei
Cluster-Schmerz:
Ein statistischer Erfolgsvergleich unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird
durch die Tatsache erschwert, daß der
Clusterkopfschmerzen
meist schubartig verläuft, d.h. monatelange, in Ausnahmefällen sogar jahrelange
schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese Kopfschmerz -Form. Wie bei den
anderen id iopathischen (=
nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende)
Kopfschmerz
en ist es auch bei
Clusterkopfschmerzen
oftmals erforderlich, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander
auszutesten, um die optimale herauszufinden.
Behand
lung der akuten
Schmerzattacken:
Wegen der häufig kurzzeitigen
Attackendauer kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die innerhalb
weniger Minuten wirken können. Orale
(= Tabletten, Tropfen) und rektale
(= Zäpfchen) Verabreichung von z.B.
Ergota
min ist daher nur bei längerer Anfallsdauer
sinnvoll. Die Einatmung von reinem Sauerstoff über Maske ist eine
bewährte Methode zur Kupierung des Anfalls. Die Verabreichung über eine
Nasensonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode hat den Vorteil, daß
entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten der Krankenkassen
verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten Migräneattacke spricht der akute
Cluster-Kopfschmerz
in der Regel auf die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behan
dlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel) an. Bewährt hat
sich die
Betäubung
der schmerzseitigen Ner
ven supraorbitalis (ca. 1 ml),
supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die
großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im Stir
n- /Schlä fenbereich. Bei
Schmerzausstrahlungen in den
Oberkiefer muß der
Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
der ersten Wahl ist bei uns das lang wirkende Bupivacain 0,5% (z.B.
Carbostesin®). In hartnäckigen Fällen führen wir diese Behand
lung mit gutem Erfolg konsequent 2 bis 3
mal täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur unter stationären
Bedingungen durchführbar ist. Auch wiederholte Betäubungen des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle
im seitlichen Halsbereich) mit einem
lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel können beim Clus
ter- Kopfschmerz sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird bei diesem Kopfschmerz (idiopathischer)
auch eine nasale Instillation
(= in die Nas
e eingebracht)
von 1 ml 4%iges Lidocain (z.B. Xylocain®)
(= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem
Kopf (Pfaffenrath
1988).
Wirksam ist beim Cluster-Kopfschmerz auch
Ergota min. Nachteilig ist, daß sich
bei häufigem Gebrauch ergotaminbedingte
Dauerkopfschmerzen
ausbilden können. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®).
Das
Migränetherapeutikum Sumatriptan (z.B. Imigran®, bzw. auch andere
Triptane) ist auch beim Clus
ter-
Kopfschmerz sehr wirksam, insbesondere unter die Haut gespritzt (6
mg)(auch mit Autoinjektor vom Patienten selbst injizierbar), ansonsten 100mg
oral (= durch den Mun
d).
Bei Wiederauftreten von
Schmerzen maximal
zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende
Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit
jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993). Mittlerweile
gibt es Triptane z.T. auch als (Nase
n-) Spray zum schnelleren Wirkungseintritt.
Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den
gewünschten Erfolg bringen.
Prop
hylaxe (= Vor
beugung)
bei diesem Kopfschmerz (idiopathischer):
Als Mittel der Wahl gilt der
Calcium-Antagonist Verapamil (z.B. Isoptin®). Dosierung: bis zu 3-4x 80
mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der Wirkungsmechanismus von
Verapamil bei
Clusterschmerzen
ist unbekannt.
Neue Dosierung: In hartnäckigen Fällen wird Verapamil bei Clus
ter-Kopfschmerz mit gutem Erfolg sehr
viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr), initial
(= zu Anfang)
unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle.
Als Mittel der 2. Wahl kann beim Clus
ter-
Kopfschmerz Lithium empfohlen werden
(z.B. Hypnorex®, Quilonum®). Lithium soll bereits unterhalb des empfohlenen
Serumspiegels beim Clus
ter- Kopfschmerz wirksam sein.
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des therapeutischen
Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Behand
lung versucht werden, z.B. mit Prednisolon®. Empfohlene Dosierung: 1-4.
Tag 80mg, 5- 8 Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg
reduzieren.
Der Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®)
(= ein Mittel, das dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
kann auch zur
Kopfschmerzprophylaxe
(=
Kopfschmerzvorbeugung)
verwendet werden.
Teilweise wird empfohlen, zur Vorbeugung regelmäßig täglich
Ergota min zu verabreichen. Wegen der
Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit den gefürchteten
Ergotamin-Kopfschmerz zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.
Zur Prop hylaxe hat sich bei uns auch die wiederholte therapeutische Lokalanästhesie (= Behan dlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen Hinterkopfregion Schmerzen angegeben; in diesem Fall blockieren (= betäuben) wir dann auch die Ner ven occipitales major und minor. Optimal ist diese Behand lung unter stationären Bedingungen, weil dann diese spezielle Schmerztherapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Behand lung fallen in der Regel die Schmerzat tacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei
diesem Kopfschmerz
(idiopathischer):
Anders als z.B. bei der M
igräne spielen beim Clus
ter-
Kopfschmerz psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß
diesbezüglich nur allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. ein
Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben nur selten
einen positiven Effekt.
4. Andere
pri
märe
Kopfsch
merzen
Unter diesem Begriff fassen wir scheinbar eigenständige Kop fschmerzbilder wie vertebragener oder zervikogener Kopfschmerz (= von der Halswir belsäule ausgehende Kop fschmerzen), oder auch sog. neu aufgetretene Dauerkop fschmerzen, Anstrengungskop fschmerzen, die Occipitalneuralgie (= Nervenschmerzen im Bereich des Hinterkopfes) oder Hemicrania continua (= anhaltender Halbseitenkopfschmerz) zusammen. Allen Formen gemeinsam ist die sehr variablen Krankheitszeichen, so daß eine eindeutige Diagnosezuordnung in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen, willkürlich ist. Oftmals ist nicht einmal eine sichere Abgrenzung gegen Migräne- oder vasomotorische Kopfsch merzen (= von Blutgefäßen ausgehende Kop fschmerzen) möglich.
Vertebragener Kopfschmerz
(zervikogener
Kopfschmerz):
Der Unterschied zum Kopfschmerz
vom Spannun
gstyp dürfte nur darin bestehen, daß mit dem
Begriff "ver
tebragen"
(= wirbelsäulenbedingt) lediglich auf eine mögliche Ursache bzw. einen Zusammenhang hingewiesen
wird. Die Schmerzausstrahlung verläuft vom Nac
ken aufsteigend zur St
irn hin, nicht selten tritt gleichzeitig
ein
Nacken-Schulter-Arm-Syndrom auf.
Okzipitalneuralgie:
Die idiopathische
(= als eigenständige Erkrankung
auftretende)
Occipitalneuralgie
(Okzipitalisneuralgie)
ist selten. Es treten einseitig einschießende
Kopfsch
merzen
im Versorgungsgebiet des N. occipitalis major auf (Hinterkop
f bis Scheitelhöhe).
Die Diagnose einer Okzipitalisneuralgie
wird durch eine probatorische
(= zur Klärung der Diagnose durchgeführte)
Nervenblockade mit z.B. 1-3 ml Mepivacain (z.B. Scandicain®1%) (= mittellang wirkendes örtliches
Betäubungsmittel) gesichert. Wie bei
der
Trigeminusneuralgie
liegt häufiger eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch meist einseitig
auftretende Kopfsch
merzen
und längerfristige Schmerzepisoden bis hin zu einem
Dauerschmerz.
Hemicrania continua
(anhaltender
Halbseitenkopfschmerz):
Diese Kopfschmerz
art soll stets einseitig und seitenkonstant als anhaltender
Kopfschmerz auftreten.
Differentialdiagnostisch
(= um herauszufinden um welches
Kopfschmerzsyndrom
es sich handelt) zu verwerten ist,
daß diese Beschwerden nur auf
Indometacin (z.B. Indomet ratiopharm®) ansprechen (Sjastaad 1984).
Vermutlich handelt es sich hierbei ebenfalls um einen Kopfschmerz vom
Spannungstyp, allerdings halbseitig auftretend.
Raeder-Syndrom:
Dieser Kopfschmerz (idiopathischer)
ist im Versorgungsgebiet des Nervus ophthalmicus
(= oberer Gesichtsnerv) lokalisiert. Die Symptomatik ist dem
Clusterkopfschmerz
ähnlich.
Neck-Tongue-Syndrom
(Nacken-Zungen-Syndrom):
Der Kopfschmerz
tritt attackenartig einseitig hinterkopfbetont auf und ist von einer
unangenehmen
Hypästhesie
Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige Ausrenkung)
des Atlanto-Axial-Gelenkes
(= das untere Kopfgelenk zwischen dem 1. u. dem 2. Halswirbel, ermöglicht
Drehbewegungen des Kopfes) vermutet (Bogduk
1981).
Neu aufgetretener
Dauerkopfschmerz
(engl.: new daily persistent headache):
Unter dieser Kopfschmerzform leiden etwa 0,2 der Bevölkerung.
Die Abgrenzung vom (chronischen) Spannungskopfschmerz ist schwierig und auch
nicht unumstritten. Auch bei diesem
Kopfschmerz können
milde migräneartige Begleiterscheinungen auftreten, so. z. B. Photo- und
Phonophobie (= Licht-
und Geräuschempfindlichkeit) oder
auch Übelkeit, allerdings kein (regelmäßiges) Erbrechen.
Neu aufgetretene
Dauerkopfschmerzen weisen mindestens zwei der folgenden Eigenschaften
auf:
Ursächlich ist häufig eine vorausgegangene
Infektion (=
Eindringen von Mikroorganismen, z.B. Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten in den
Mensch, wo sie haften bleiben und sich vermehren
-n. Roche-). Schon in den ersten Beschreibungen wurde auf einen Zusammenhang mit
Virusinfekten hingewiesen (Vanast et al. 1987).
Die Kopfschmerzbehandlung
erfolgt wie bei Spannungskopfschmerzen.
Pri
mär stechende Kop
fschmerzen:
Vorübergehende und umschriebene schmerzhafte Stiche im Kopf, die spontan ohne
eine organische Erkrankung der betreffenden Strukturen oder eines Hirnnervens
auftreten (Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Pr
imärer Hustenkopfschmerz:
Durch Husten hervorgerufene Kop fschmerzen in Abwesenheit
jeglicher intrakranialer (= im Kopf) Erkrankung
(Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Prim
ärer Kop fschmerz bei
körperlicher Anstrengung:
Kop
fschmerz, hervorgerufen durch jede Form von
körperlicher Anstrengung. Subtypen, wie der "Gewichtheberkopfschmerz", werden
anerkannt (Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Prim
ärer Kop fschmerz
bei sexueller Aktivität:
Kop
fschmerz, der durch sexuelle Aktivität
hervorgerufen wird. In der Regel beginnt der Kop fschmerz bei
zunehmender sexueller Erregung als dumpfer, bilateraler Schmerz und intensiviert
sich schlagartig während des Orgasmus. Intrakraniale Erkrankungen bestehen nicht
(Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Prim
ärer
schlafgebundener Kop
fschmerz:
Kopfschmerzattacken
von dumpfer Qualität, die den Patienten immer aus dem Schlaf erwecken
(Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Prim
ärer
Donnerschlagkopfschmerz:
Plötzlich auftretender Kop fschmerz stärkster Intensität,
der einem Kop
fschmerz bei Ruptur eines intrakranialen
Aneurysmas (=
krankhafte Blutgefäßwandausbuchtung im Inneren des Kopfes)
ähnelt (Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Kopfschmerztherapie:
Die Schwierigkeit genereller Therapieempfehlungen liegt darin, daß
Kopfsch
merzen
in allen möglichen Variationen auftreten, sowohl hinsichtlich der Intensität als
auch der Periodizität
(= zeitliches Auftreten).
Die Kop
fschmerzcharakteristika sind nicht nur von
Patient zu Patient verschieden, sondern können sich auch im Verlauf der
Erkrankung beim selben Patienten ändern, so daß dann jeweils die aktuelle
Schmerztherapie angepaßt werden muß. Hinzu kommt, daß die verschiedensten
Behandlungsmaßnahmen sehr unterschiedlich wirken können. Was bei einem Patienten
wirksam ist, muß dem anderen noch lange nicht helfen, auch wenn scheinbar
Diagnose und Symptomatik
(= Krankheitszeichen)
übereinstimmen. Letztlich gilt es also, für jeden Patienten eine optimale
individuelle Schmerztherapie zu erarbeiten, was sehr zeitaufwendig sein kann.
Medikamentöse
Kopfschmerzbehandlung:
Die Beha
ndlung der idiopathische
n (= nicht
auf eine sonstige Krankheit zurückzuführenden)
Kopfsch
merzen
mit
Medikamenten ist
und bleibt angesichts mangelnder kausaler
(= ursächlicher)
Therapiemöglichkeiten eine Notlösung, weshalb im Hinblick auf die
Nutzen-Risiko-Relation die Arzneimittelverordnung ständig überprüft und der
aktuellen Leidenssituation des Patienten angepaßt werden muß.
Genaue Kenntnisse über Nebenwirkungen und Kontraindikationen
(= Gegenanzeigen)
sind für eine optimale Beha
ndlung unabdingbare Voraussetzungen. Grundsätzlich gilt, daß
Analgetika
(=
Schmerzmittel) möglichst nicht
auf Dauer verabreicht werden sollen. Die Gefahr einer Gewöhnung oder gar
Abhängigkeit wird durch Verordnung von Kombinationspräparaten noch gefördert.
Besonders gefürchtete Beimischungen sind Barbiturate, Kodein und Ergota min.
Akuttherapie:
Für die Beha
ndlung idiopathischer
(= nicht auf eine sonstige
Krankheit zurückzuführende)
Kopfsch
merzen
haben sich folgende Analgetika (=
Schmerzmittel)
bewährt: Acetylsalicylsäure (z.B. ASS-ratiopharm®, Aspirin®), Paracetamol (z.B.
ben-u-ron®) und sog. nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuprofen (z.B.
Brufen®, Dolgit®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind
die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder
Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem
Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer.
Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt
genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Zusätzlich kann die Gabe eines zentralen Muskelrelaxans
(= ein Mittel zur
Muskelentspannung), z.B. Baclofen
(z.B. Lioresal®) hilfreich sein. Der akute
Spannungskopfschmerz
spricht auch auf
Ergotamingabe an. Hinsichtlich der Verordnungshäufigkeit bestehen aber die
gleichen Bedenken wie bei der
Migränetherapie.
Bei unzureichender Wirkung von Acetylsalicylsäure oder Paracetamol kann auch
Metamizol (z.B. Baralgin®, Novalgin®) versucht werden. Die i.v. Applikation
(= in eine Blutader
verabreicht) (langsam) führt zu einem
schnellen Wirkungseintritt. In seltenen Fällen kann allerdings die gefürchtete
Agranulozytose (=
Zerstörung bestimmter Blutzellen)
auftreten.
Alternativ kommt aus der Gruppe der zentral wirksamen
(= im Rückenmark bzw. Gehirn
wirkenden) Schmerzm
ittel bei
Kopfsch
merzen
vom Spannun gstyp noch Tramadol
(Tramal®) in Frage, evtl. in Kombination mit einem peripher
(= direkt im Schmerzbereich)
wirkenden Schmerzm ittel. Tilidin,
selbst in Verbindung mit Naloxon (Valoron N®) hat nach unseren Erfahrungen immer
noch ein gewisses Suchtpotential. Eine Entwöhnung bzw. eine
Entzugsbehandlung ist manchmal sehr schwierig.
Opioide oder Opiate
(= morphinähnliche Schmerzmi ttel)
sollten eher zurückhaltend verordnet werden.
Oftmals kann mit der therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem
örtlichen
Betäubungsmittel)
in Form von
Nervenblockade
n
(= Nervenbetäubungen)
und Infiltrationen dominanter Schmerzareale prompt Schmerzfreiheit erzielt
werden. Nicht selten ist zu beobachten, daß auch bei einmaliger Anwendung die
Wirkung deutlich über die Wirkdauer des verwendeten örtlichen Betäubungsmittels
hinaus anhält.
Thera
pie subakuter oder chronische
r, idiopathischer
Kopfschmerz en:
Zur Beha
ndlung subakuter (= eher mäßiger) oder
chronische
r
Kopfsch
merzen
haben sich verschiedene psychotrope Substanzen
(= Mittel, die auf die Psyche einwirken bzw. zu einer
Schmerzdistanzierung führen)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) sehr bewährt. Pri mär kommen sie dabei wegen ihrer schmerzdistanzierenden Wirkung zur Anwendung. Maprotilin (z.B. Ludiomil®) kommt
bei uns am häufigsten zur Anwendung und ist wegen der ausgeprägten dämpfenden
Wirkung besonders für unruhige Patienten geeignet. Amitriptylin (z.B. Saroten®)
ist stärker stimmungsaufhellend und mäßig dämpfend. Amitriptylinoxid
(Equilibrin®) ist eine biochemische Vorstufe des Amitriptylins und gilt als
besser verträglich. Doxepin (z.B. Aponal®, Sinquan®) eignet sich zur vegetativen
Harmonisierung, wirkt ausgesprochen depressionslösend und dämpfend. Diese
Substanz eignet sich auch zur Abschirmung eines Arzneimittelentzuges. Die
Dosierung erfolgt generell einschleichend.
Die genannten tri- und tetrazyklischen
Antidepressiva (=
Mittel gegen Depressionen) können
auch im Sinne einer Spannungskop
fschmerz -Prop
hylaxe
(= Vor beugung)
eingesetzt werden. Oftmals behalten wir diese Medikation nach einer
erfolgreichen Beha ndlung für weitere
2-3 Monate bei, allerdings in reduzierter Dosierung (z.B. nur abends).
In hartnäckigen Fällen hat sich die zusätzliche, niedrig bis mittel dosierte
Verabreichung eines
Neuroleptikum
s
(= Mittel zur
Beeinflussung der Psyche) bewährt.
Wir bevorzugen Levomepromazin (Neurocil®) in der Dosierung 3x3-15 Trpf.
Levomepromazin wirkt psychomotorisch
(= hinsichtlich Psyche und Bewegungsabläufe)
stark dämpfend, so daß es in Kombination besonders mit dem ähnlich wirkenden
Maprotilin vorsichtig dosiert werden muß.
Die Wirksamkeit von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirken)
wie Methysergid (Deseril®), Lisurid (Cuvalit®) und Pizotifen Sandomigran®,
Mosegor®) ist beim Kopfsch
merz vom Spannun
gstyp durch Studien bisher nicht belegt. Auch die Wirksamkeit der
Beta-Blocker (=
blutdrucksenkende Mittel, aber auch nachgewiesen hilfreich bei M
igräne)
wie z.B. Propanolol (z.B. Dociton®) und Metoprolol (z.B. Beloc®) ist bei
Kopfsch
merzen
vom Spannun gstyp
wissenschaftlich bisher nicht eindeutig nachgewiesen, sie können dennoch
versucht werden.
Besonders bei Vorliegen einer "migränoiden" Begleitsymptomatik
(= z.B. Übelkeit, Licht- und
Lärmempfindlichkeit) ist als letzter
Therapieversuch auch der Einsatz von Triptane denkbar.
Zur
Schmerztherapie der
Occipitalneuralgie
eignen sich Antikonvulsiva
(= Mittel gegen die Fallsucht)
so z.B. Carbamazepin (z.B. Tegretal®). Oft besser wirksam sind aus dieser Gruppe
Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), aber auch erheblich teurer.
Das Mittel der Wahl bei Hemicrania continua
(= anhaltende
Halbseitenkopfschmerz) und bei
der paroxysmalen
Hemikranie ist
Indometacin (z.B. Indometacin-hexal®).
Therapeutische Lokalanästhesie bei chronische n, pri
märe n Kopfsch
merzen:
Eine Schmerztherapie mit lang
wirkenden
Lokalanästhetika
(=
örtliche Betäubungsmittel)
Bupivacain, Etidocain) hat sich in der Beha
ndlung idiopathischer
(= nicht auf eine sonstige Krankheit zurückzuführende)
Kopfsch
merzen
sowohl bei akuten als auch bei subakuten oder chronische
n Schmerzzuständen bei uns bewährt (Leser
et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei werden
(stationär 1 bis 2 mal täglich) alle Ner
ven, die an der sensiblen Versorgung des
Schmerzbereichs beteiligt sind, an ihrem Austrittspunkt mit 1-2 ml blockiert.
Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis- Region
(= Schläfengegend)
und korrespondierende Triggerpunkte
(= Schmerzreizpunkte)
infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= von Mus
keln und deren
Gewebsumhüllung ausgehende)
Triggerpunkte.
Bei hinterkopfbetonten Schmerzbildern, auch mit mehr oder weniger deutlicher
Beteiligung der Halswir
belsäule, führen wir in gleicher Sitzung
tiefe Infiltrationen der angrenzenden Mus kulatur mit insgesamt
etwa 4- 6 ml durch.
Bei chronische
n, halbseitigen
Kopfsch
merzen
vom Spannun gstyp ist auch die
wiederholte Betäubung des Ganglion stellatum
(= vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
mit einem langwirkenden
Lokalanästhetikum
hilfreich. Im chronische
n Stadium, aber auch bei
episodenhaften (= von
Zeit zu Zeit auftretenden)
Kopfsch
merzen
vom Spannun gstyp, wenn die
schmerzfreien Intervalle nicht zu lange anhalten (z.B. nicht mehr als 1 Woche),
ist diese
Schmerztherapie um
so wirkungsvoller, je häufiger sie angewendet wird. Als optimal erwiesen sich
zwei Sitzungen pro Tag über einen Zeitraum von ca. 10-20 Tagen, was in der Regel
allerdings organisatorisch meist nur stationär möglich ist. Nicht selten kann
eine anhaltende deutliche Schmerzlinderung, oft auch Schmerzfreiheit, manchmal
sogar schon nach wenigen Sitzungen erreicht werden. Unter einer solchen
intensiven therapeutischen Lokalanästhesie kann in der Regel auch ein
Schmerzmittelentzug erfolgreich durchgeführt werden, sofern das Abusus-
(= Mißbrauch-)
oder Abhängigkeitsverhalten tatsächlich auf eine Schmerzbelastung und nicht etwa
auf ein psychisches Suchtpotential zurückzuführen ist.
Nichtmedikamentöse Beha
ndlung chronische
r, idiopathischer
Kopfsch
merzen:
Wie bei der Migränebehandlung werden die folgenden Methoden vorwiegend ergänzend
eingesetzt, teilweise sind sie aber auch unverzichtbare Bestandteile der
Gesamttherapie.
Bei der Punkteauswahl zur
Schmerzakupunktur
dominiert das Lenkergefäß, ein Meridian, der hinter dem Af ter beginnt und sich
über die Spitze der Dornfortsätze der Wir belsäule, über die
Schädelmitte bis zur Oberlippe erstreckt. Empfohlen werden hauptsächlich die
Punkte 19, 23 und 25; zusätzlich Punkte des Gallenblasen-Meridians im
Kopfbereich, so z.B. 3 und 20 (Kossmann et al. 1986).
Auch die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat sich bei
Kopfsch
merzen
bewährt. Mit dieser Methode lassen sich häufig Schmerzm
ittel einsparen, oftmals kann auf
zusätzliche Schmerzmitteleinnahme sogar verzichtet werden.
Wenn Kopfsch
merzen
mit Störungen im Bereich der Halswir
belsäule einhergehen, ist in der Regel die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (Fango, Wärmeapplikationen usw.) sowie
Krankengymnastik
hilfreich. Besonders zu empfehlen sind Autoelongationsübungen. Manchmal kann
auch durch eine manuelle Lymphdrainage im Kop
f-/Halsbereich eine deutliche
Verbesserung erzielt werden.
Bewährt hat sich auch die wiederholte oberflächliche Kältebehandlung im Nack
en-/HWS-Bereich, evtl. auch unter Einschluß der angrenzenden
Schultermuskulatur. Im Rahmen einer Kurmaßnahme ist bei id
iopathischen
Kopfsch
merzen
auch eine Hydrotherapie in Form von Wechselbädern und / oder Kneippschen Güssen
empfehlenswert. Auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
kann hilfreich sein.
Auch bei id
iopathischen Kopfsch
merzen
hat sich die Vermittlung von Entspannungstechniken (Progressive Relaxation nach
Jacobson, Autogenes Training) sehr bewährt. Bei
streß
induzierten
Kopfsch
merzen
ist ein
Streßbewältigungstraining
hilfreich.
5. Idiopathi sche Kombinationskopfschmerzen:
Die einzig mögliche Kombination idiopathischer Kopfsch merzen sind Migräne und Kopfsch merzen vom Spannungstyp, wobei die einzelnen Komponenten entweder gemeinsam oder zeitlich voneinander getrennt auftreten können. Da die Einzelsymptome fließend ineinander übergehen können, lassen sich nicht in jedem Falle die Einzelkomponenten trennen. Häufig kommen die Patienten mit der Hilfsdiagnose "migränoide Kephalgie" (= migräneartiger Kopfschmerz).
Thera
pie bei diesem
Kombinationskopfschmerz:
Als Mittel der Wahl gilt die parallele Medikation mit einem Beta-Blocker (= eigentlich ein Blutdruckmittel, wirkt aber auch gegen
M
igräne)
und einem
Antidepressivum
(= Mittel gegen
Depression, aber auch bei
Schmerzen
hilfreich).
Wir bevorzugen Propanolol (z.B. Dociton ®), 160-240 mg/d und Maprotilin (z.B.
Ludiomil ®), bis 150 mg/d. Für die akute und subakute Beha
ndlung hat sich die
therapeutische Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem
örtlichen
Betäubungsmittel)
im Kopfbereich bewährt. Je nach aktueller Schmerzsituation können auch Schmerzm
ittel verabreicht werden.
Grundsätzlich sind auch bei diesem Kombinationskopfschmerz nichtmedikamentöse Therapieverfahren sinnvoll, so z.B. die transkutane (= über die Haut verabreichte) elektrische Nervenstimulation mittels Klebeelektroden und Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale), insbesondere aber auch psychologische Interventionen (z.B. Erlernen von Entspannungstechniken, Schmerzbewältigungstraining evtl. auch Streßbewältigungstraining).
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Aktualisiert: >24.01.2007</>
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K
Karzinom,
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Kiefergelenksschmerzen,
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((auch Migräne (www.migraene.co.uk)),
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L
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Lumboischialgie
(http://www.lumboischialgie.eu), Lymphstauung,
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M
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Malignompatienten,
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N
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Nackenschmerz (www.nackenschmerz.net),
Nackenschmerzen (http://www.nackenschmerzen.co.uk),
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(www.nervenleiden.com),
Nervenschmerzen (http://www.nervenschmerzen.org),
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Neuropathie,
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O
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P
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humeroskapularis, Periarthropathie
(http://www.periarthropathie.eu), Perinealer
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Q
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R
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Rastlose Beine (http://www.rastlose-beine.de), Referred pain,
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Rheumaschmerz (www.rheumaschmerz.com),
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S
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schiefer Hals (www.schiefer-hals.de),
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